Zum Hauptinhalt springen

Pressemitteilung: Die Städtischen Bühnen Frankfurt oder… Wie man es hätte machen können - Visionen

Nun ist sie unterzeichnet. Die Rahmenvereinbarung mit der Fraspa und der Helaba, die die Stadt Millionen kostet. Das noch voll intakte Bürogebäude an der Neuen Mainzer Straße wird auf Kosten der Stadt Frankfurt für 3,75 Millionen abgerissen. Die Stadt Frankfurt bekommt ein Erbbaurecht über 199 Jahre und zahlt den Banken dafür 210 Millionen. Zum Verständnis: 210 Millionen für ein Grundstück, dass der Stadt nicht gehören wird. Hinzu kommen 37,4 Millionen für ein Grundstück im Gutleut für Werkstätten und Interim. Ein Grundstück, welches jahrelang für 12 Millionen angeboten wurde kostet die Stadt plötzlich 37,4 Millionen. Toll verhandelt!

Rechnen wir mal zusammen, kommen wir auf 251 Millionen. Und jetzt geht die Planung und der Bau erst los. Zur Zeit sind wir bei 1,3 Milliarden angelangt. Wenn alles gut geht und die Bauarbeiten zügig ohne Probleme vorangehen, haben wir 2040 neue Oper und Schauspiel. Da darf aber kein Mistkäfer, Fledermäuse oder ein Plumpsklo aus der preußischen Besatzungszeit auftauchen. Und keine rückwärtsgewandte Bürgerinitiative, die Bauten aus dem Kaiserreich fordert.

Aber all das sind Zukunftsvisionen. Denn bei genauer Betrachtung sieht es so aus:

Frühestens 2027 kann das neue Haus an der Hauptwache von der Fraspa bezogen werden. Dann folgt der Abriss, der mindestens 1,5 Jahre in Anspruch nimmt. Dann folgt der Bau des Schauspiels der mindestens 6 Jahre dauern wird. Dann zieht die Oper ins Schauspiel. Erst dann folgt der Abriss der Doppelanlage, der mindestens 2 Jahre dauern wird. Jetzt sind wir schon bei 2034/35. Jetzt beginnt der Bau der Oper, der nach Expertenmeinung mind. 8 Jahre dauern wird. Dies bedeutet ein Ende der Bauarbeiten 2043. Bedenkt man nun, je länger man wartet und rechnet die Kostensteigerung mit ein, kann man mit min. 2 Milliarden kalkulieren. Die Kölner Oper wird im Bestand saniert mit angedachten 250 Millionen Euro. Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und die endgültigen Kosten liegen nach vorsichtigen Schätzungen bei 1,5 Milliarden. Wohlgemerkt, wir reden von einer Sanierung eines Hauses. Nicht dem Neubau von zwei Häusern.

Die von vielen bevorzugte Spiegellösung wanderte leider in den Papierkorb. Oper am Willy Brandt Platz am Ort des jetzigen Schauspiels und Schauspiel schräg gegenüber, wo das Eurozeichen steht. Klar, ein Eingriff in die Wallanlage. Dafür aber ein Zusatzpark an der Stelle an der jetzt die Oper steht. Ein kulturelles Viertel mit Jüdischem Museum, Oper, Schauspiel und großer zusätzlicher Parkanlage. Und das beste: Das Grundstück gehört der Stadt, also keine Kosten von 210 Millionen.

Das Problem ist auch, dass Menschen darüber entscheiden, die von der Materie keine Ahnung haben. Denn sind wir mal ehrlich. 92 von 93 Stadtverordneten haben keinerlei Erfahrung mit Theaterarbeit. 😊 Den meisten geht es darum, Bäume im Umfeld zu erhalten und ein Glaskasten mit Wolken darin. Zu ersterem kann man heute ganze Bäume umbetten und sie erhalten und zum zweiten ist der Glaskasten vom energetischen Standpunkt nicht erhaltenswert. Und für die Wolken findet sich schon ein Platz. Kaum einer macht sich Gedanken um die 1200 Mitarbeiter Aber Hauptsache die Wolken. Und auch die Initiative altes Schauspielhaus. Die wohl schwachsinnigste Idee für ein Theater der Zukunft. Im neuen Park kann man ja die einzige noch erhaltene alte Seitenmauer des Seeling Baus, die noch steht, als Wallfahrtsort für ewig gestrige errichten. Vor der Mauer, die man dann als Kulisse benutzt, gibt es dann jährlich „Goethe im Park“ als Open Air. 😊

Da wäre auch eine Vision, die ich schon 2016 auf den Tisch brachte, die allerdings abgelehnt wurde ohne darüber zu diskutieren oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden.

Ich machte damals den Vorschlag, das Grundstück des alten Polizeipräsidiums zu kaufen. 216 Millionen war der Preis. Das Grundstück würde nun der Stadt gehören und es hat die Größe, um Oper, Schauspiel und noch ein Musicalhaus drauf zu bauen. Kein Eingriff in die Wallanlage, keine Erbpacht für 210 Millionen, kein Interim für 37,4 Millionen, ein großer zusätzlicher Platz für die Wallanlage, 2 U Bahnen, 5 Straßenbahnen, Parkplätze an der Messe und Tiefgarage, fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof mit 8 S-Bahnen aus der Metropolregion Rhein Main, eine Aufwertung des Viertels und das Beste: Der Bau wäre schon 6 Jahre vorangeschritten und wir könnten bereits 2030 die neuen Städtischen Bühnen besuchen. Noch könnte man das in die richtigen Bahnen lenken.

Es tut sich auch die Frage auf, brauchen wir eine Oper und ein Schauspiel für 2 Milliarden?
Ja, wir brauchen eine Oper und ein Schauspiel. Kultur ist wichtig für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Aber müssen wir in der jetzigen Situation soviel Geld für ein elitäres Publikum bezahlen? Geht es nicht doch etwas kleiner? Die Oper ist zum achten Mal Opernhaus des Jahres geworden. Und dass nicht wegen des Gebäudes und der 1370 Plätze sondern wegen der guten Arbeit der Mitarbeiter und der Künstler, die unter stellenweise katastrophalen Bedingungen arbeiten müssen. Es ist auch zu überlegen, das Land Hessen aufzufordern dieses Projekt und die jährlichen Kosten von 85 Millionen mit zu fördern. Fast 60 % der Besucher kommen aus dem Umland und die Stadt Frankfurt muss zahlen. Es ist an der Zeit umzudenken, um für Frankfurt eine Bühne zu errichten, die ihresgleichen sucht und die für die Qualität sorgt, für die sie berühmt ist.

Thomas Bäppler-Wolf

Pressemitteilung als PDF herunterladen